Veg’s „neverseconds“ – Blogs sind Partizipationsmedien

Dass Blogs auch in der Schule sehr viel mehr sein können als nur nette tools, um den Unterricht besser „umzusetzen“,  sieht man an diesem Blog der 9-jährigen schottischen Schülerin Martha Payne mit dem Nick-Namen „Veg“. Der Name des Blogs „neversoconds“ bezieht sich auf die Praxis, dass beim Essen in der Schulkantine niemals ein Nachschlag gewährt wird.

„Veg“ fand ihr Schulessen schlecht, nicht sättigend und ungesund. Sie kam auf die Idee,  es jeden Tag zu fotografieren und  das jeweilige Bild ihres gefüllten Tellers in ihrem Blog ins Netz zu stellen …

Und das wurde daraus:
Innerhalb weniger Monate verbreitete sich das Blog in der ganzen Welt unter SchülerInnen, die mit ihrem Schulkantinenessen unzufrieden waren. Die Printmedien schrieben darüber, und Jamie Oliver, der beliebte englische Kochpädagoge (meine Bezeichnung), lud Veg zum öffentlichen Kochen ein. Und natürlich musste die Schule vor Ort reagieren – das Essen soll besser geworden sein, und es gibt inzwischen Nachschlag.
Veg sammelt außerdem Spendengelder in großer Zahl zur Unterstützung von Mary’s Meal, ihrem Projekt für Schulspeisung in Ländern mit Hungerproblemen.

(Projekt-)Lernen 2.0 at it’s best!
Was ich neben der beeindruckenden Tätigkeit der Schülerin außerdem bemerkenswert finde: Dieses Ereignis zeigt, wie mithilfe der social media aus dem Bedürfnis, sich um die Verbesserung der eigenen Situation zu kümmern, auch für andere ein großer Gewinn an Lebensqualität entstehen kann. Was aus Marys Blog wurde, ist nicht nur von ihr abhängig, sondern ganz eindeutig auch von den Reaktionen auf ihr Blog: Die Eltern unterstützen sie, sie bekommt positives Feedback von Peers und Erwachsenen vor Ort, sie muss nachdenken über den Hinweis, dass sie froh sein könnte, dass sie überhaupt etwas zu essen hat, anderswo wäre das nicht gesichert, usw. Sie lernt und wächst an ihrem eigenen Projekt, das sich in ein wachsendes Netz an „Mitlernern“ verwandelt.

Auch bei uns ist das Blog „neverseconds“ von Martha alias Veg inzwischen bekannt. Hier ein Artikel aus der Zeit.

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2 Gedanken zu “Veg’s „neverseconds“ – Blogs sind Partizipationsmedien

  1. Meine Annahme: Die Ressource Aufmerksamkeit ist teuer, zunehmend begrenzt und gerade im Internet eher zufällig fokussiert. „Wenn das jeder macht“ und meine Annahme stimmt, geht Martha dann im Grundrauschen unter, wenn wir uns neben der Exploration bzw. dem „Hinauskreativieren“ von Exzellenzen nicht auch um die Organisation der – eigentlich flow-schaffenden – Rezeption kümmern. Das wiederum erlebe ich zurzeit als eine Stärke lokaler Systeme und gerade nicht des Internets…

    1. Lisa Rosa

      Aufmerksamkeit wird ja heute von viel unnützem Zeug besetzt. das muss ja auch nicht immer so sein. und wenn die Verknüpfung von lokalem und globalen, echten Bedürfnissen und prominenten Akteuren gelingt wie hier, dann geht eben nichts in „Grundrauschen“ unter, was vielen nützt. Ich sehe die Constraints anderswo. Wichtig ist mir zu sehen, das sowas geht, und zwar nicht nur als wahnsinns Ausnahme.

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