Schülerblogs im Deutschunterricht

Heute fand ich ein schönes Blogprojekt zur Lektüre von Max Frischs Homo Faber. Ich erinnere mich, dass der Roman zu meiner eigenen Schülerzeit eines meiner 5 Lieblingsbücher gewesen war. Damals war er noch zeitgenössische Literatur und ich hatte ihn zuhause gelesen – im Deutschunterricht kam soetwas leider nicht vor. Jetzt bin ich gespannt auf die Lektüre der Schülerblogs – was und warum fanden sie den Roman interessant oder nicht?

Hier ist das Blog, das die Schülerblogs zur Lektüre im Unterricht zusammenbindet:

http://homofaberblog.blogspot.de/2014/05/schulerblogs.html Und hier eines der Schülerblogs – das von David:

http://www.daveshomofaberblog.blogspot.de/

Wer nach einer kurzen und kurzweiligen Inhaltsangabe für den Roman sucht, findet sie hier, im Schülerblog von Marina als Lego Movie …

 

(Blog-)Projekt „Postwachstum“

Nach dem erfolgreichen Modell des Projekts Migration-Integration startete kürzlich ein neues (Blog-)Projekt im ganz normalen Unterricht einer ganz normalen Stadtteilschule in Hamburg zum Lerngegenstand Postwachstum

Postwachstum

Und schon wird heiß am derzeit beliebtesten Video: „Was passiert bei Fleischverzicht?“ diskutiert.
Die Schüler des 2. Semesters der 12. Klasse hatten in den Wochen zuvor im Unterricht Politik-Gesellschaft-Wirtschaft (PGW) die üblichen Inhalte zum Thema Wirtschaft erarbeitet. Jetzt können sie mit ihrem Wissen problemorientiert und personalisiert nach eigenen Bedürfnissen weiterarbeiten, neues Wissen bilden und altes infrage stellen. Ich war bei der Einstiegs-Session ins Projekt dabei und konnte miterleben, wie sehr sie sich für Wirtschaft interessieren, und wie engagiert sie diskutieren, wenn sie merken dürfen, dass es da um ihr eigenes Leben geht.

Mehr wird nicht verraten, denn die Schüler arbeiten daran. Aber das Blog darf selbstverständlich gerne auch „von außen“ schon jetzt kommunikativ genutzt werden! Je mehr gute, ernsthaft gemeinte Fragen oder Statements die Schüler beantworten müssen, desto mehr lernen sie.
Natürlich wird es wie bei dem anderen Projekt anschießend wieder eine Veröffentlichung als Lehrerhandreichung mit Informationen zur Projektmethode und einer Beschreibung und Auswertung des Unterrichts geben.

Politiklernen als öffentlicher Diskurs in einem Blog

Ganz neu ist das Blog War on Terror des Lehrers Christoph Roggon, das er nicht nur für seine Schüler des 4. Semesters am Gymnasium Blankenese aufgesetzt hat, sondern mit dem er auch für alle Lehrer, Schüler, Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen wollen, einen öffentlichen Lernraum zur Verfügung stellt.

schulblog1

Wie schon im Blog Migration-Integration steht auch hier ein großes Angebot an Quellenmaterial bereit. Darüberhinaus wird angeboten, selbst am öffentlichen Diskurs mit Kommentaren, und als Schüler_in – auch wenn nicht in Roggons Kurs – mit eigenen Artikeln teilzunehmen und beizutragen.
Das ist eine tolle Sache! Es öffnet den Klassenraum in die Welt und lädt gleichzeitig die Welt ein, mit den Schülern in Dialog zu treten. Gerade für das Politiklernen goldrichtig. Und ich wünsche dem Blog, dem öffentlichen Lernen und der „Kern-Lerngruppe“ ab Februar viel Vergnügen und Erfolg bei der Bearbeitung des Themas. Ich wünsche viele spannende Fragen, Perspektiven und Dialoge.

Schülerblogs in Beijing

In meinem PLN und mit Serendipity – wie das halt so ist beim Lernen im Netz – fand ich heute ein Klassenblog der 4. Klasse von Frau Amanda Klahn aus England:

WAB_4K_AmandaKlahnSeit August mit Beginn der 4. Klasse läuft das Lernen offenbar mit einem persönlichen Gerät (einem Macbook) für jede(n) Schüler_in.  Die Hausaufgaben werden wochenweise gestellt, und die Schüler_innen arbeiten viel selbstorganisiert. Und alle haben sie eigene WordPress-Blogs, in denen sie ihre Hausaufgaben posten. Sie sind in der Blogroll verlinkt. Alexandro hatte neulich 27 Kommentare zu einer Hausaufgabe:

WAB_Alejandro
Jetzt war ich doch neugierig, um welche Schule es sich handelt, und wo auf der Welt diese Schulblog-Geschichte überhaupt spielt. Ein bisschen googlen war nötig, um herauszufinden was WAB bedeutet. Hier ist es:

Die Western Academy of Beijing

Es werden noch Lehrkräfte und Führungskräfte eingestellt. Hier die Bewerbungsliste:

WAB_jobopportunities

Geschichtsunterricht mit Blogs

Johannes Gienger, Lehrer am Johannes-Kepler-Gymnasium in Weil der Stadt und Leiter des Stadtmedienzentrums Stuttgart hat ein Modell „Blogs statt Geschichtshefte“ für seinen Geschichtsunterricht entwickelt und jahrelang erprobt.

Geschichtsblog
http://geschichtsheftsmz.wordpress.com/

Im Lehrerblog – s. screenshot – wird den Schülern Material (Fotoquellen und Lehrertexte) zur Verfügung gestellt, die die Schüler in ihre eigenen Blogs übernehmen können, wo sie auch ihre eigenen Arbeiten posten. Im Lehrerblog werden auch gemeinsam erarbeitete Texte und Beispiele aus den Schülerarbeiten gepostet.
Man kann das Konzept für seinen Unterricht und natürlich auch für andere Fächer übernehmen und natürlich als Geschichtslehrer das Blog von Johannes Gienger direkt im Unterricht einsetzen. Es liefert Material zum Zeitraum ‚Absolutismus‘ bis ‚Deutsches Kaiserreich‘.

Ich finde das eine prima Idee!

Hier ein Interview mit dem Lehrer über die Unterrichtserfahrungen damit.
Am Ende des Interviews gibt es eine Liste mit ausgewählten Schülerblogs:

http://geschichte.philip.over-blog.de/

http://verenageschichte.over-blog.de/

http://lenizingg.over-blog.de/

http://mini2.over-blog.de/

http://doro-doro.over-blog.de/

http://tcmredam.oyla15.de

http://Benny.over-blog.de

Auch, wenn die SchülerInnen die Quellenfotos aus Wikimedia Commons – der frei lizensierten und public-domain-Bilddatenbank  –  in ihre Blogs einbinden dürfen, würde ich sie allerdings anhalten, die Quelle zu nennen. Nicht alle Bilder sind, wenn man sie außerhalb von wikimedia wiederveröffentlicht, übrigens vollkommen frei. Manchmal muss man  zumindest den Autor nennen – CC-BY – siehe http://commons.wikimedia.org/wiki/Commons:Reusing_content_outside_Wikimedia – Dies ist auch eine günstige Gelegenheit, mit den Schülern über Bildrechte, Urheberrecht und Creative Commons zu sprechen. Dann sind sie auch bei ihren privaten Blogs mit dem notwendigen Rüstzeug ausgestattet.

Unterrichtsblog eines abwesenden Referendars

Heute haben wir ein Unterrichtsblog von Jan besprochen, der nicht am Modul teilnehmen konnte:

grünerLolli

„Grüner Lolli“ heißt das Blog einer 9. Klasse der Margarethe-Rothe-Schule, in das die Schüler ihre Arbeitsergebnisse aus der Erkundung verschiedener Nachhaltigkeitsprojekte posteten.
Einige Anfangsschwierigkeiten, z.B. wie man über live-writer ins blog schreiben kann, mussten für manche erst überwunden werden. Aber schließlich kamen eine Menge sehr interessanter Schülerarbeiten zusammen! Tolle Arbeit!
Als Lehrer könnte man für den Anfang auch interessantes Material für die Schüler bereitstellen und eine Blogroll mit themen-verwandten Blogs anlegen sowie Links auf die Seiten der bearbeiteten Projekte. Das würde zur Vernetzung beitragen.
Auch die Möglichkeit, Hypertext zu schreiben wäre noch eine interessante Option für die Schüler.
Eine solche Fallbesprechung unter Kollegen mit Material von Kollegen ist immer sehr produktiv. Vielen Dank, Jan!

Neue Schulblogs

Gleich zwei neue Schulblogs hat die Stadtteilschule Bahrenfeld in Hamburg:

Das Unterrichtsblog „Migration-Integration“, ein thematisch orientiertes Kursblog des Profilkurses Politik/Gesellschaft/Wirtschaft:
http://migrationintegration.wordpress.com

und ein Schülerblog von SchülerInnen des Kunstprofils der 12. Klasse betrieben:
http://bk12bah.wordpress.com/

Es lohnt sich, darin zu stöbern!

Blogerfahrung

Besonders gut eignet sich ein Gruppenblog zur Projektarbeit. Hier ganz frisch das Projektblog des Emilie-Wüstenfeld-Gymnasiums in Hamburg: 26 SchülerInnen bloggen über ihre Arbeit mit ihren Eindrücken und dem gesammelten Material, die sie bei einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Neuengamme gewonnen haben.
Die SuS sind alle als Administratoren (!) in ein von mir vorbereitetes Blog eingepflegt worden, haben gleich das vorgeschlagene Headerbild ausgetauscht und angefangen in ihren Tandems und Arbeitsgruppen zu bloggen. Jede Arbeitsgruppe bloggt mit und unter einer „Kategorie“, die identisch mit ihrem selbstgewählten Thema ist.

http://ewgprojektblog.wordpress.com

Fazit: Nichts erzeugt so viel Engagement, wie die Möglichkeit, mit neuen Medien den eigenen Fragen nachgehen zu dürfen und dabei von der „echten“ Welt außerhalb der Schule wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden:
Am Abend des ersten Tages Blogbetrieb waren schon 240 260 302 Besucher da, und es hat sogar zwei Kommentare aus der „echten“ Welt gegeben. (Twitter is it!)

Schülerblog

Meine Lieblingsanwendung von Blogs beim Lernen (auch in Schule) sind individuelle Blogs. Es gibt nicht viele Schülerinnen und Schüler, die bloggen, denn anders als in Facebook, muss man für ein Blog eine Veröffentlichungs-Vision haben – eben ähnlich, wie wenn man einen Aufsatz oder gar ein Buch schreiben oder ein Kunstwerk schaffen möchte. Es ist ein Projekt selbst.

Man muss etwas zu „sagen“ oder zu „zeigen“ haben.  Ein Blog kann ein Projekt dokumentieren.

Magoo, eine 15-jährige Berliner Schülerin, betreibt ein Blog als Dokumentation eines Projekts „Generationenwandern auf dem Jakobsweg“. Sie ist in den Sommerferien mit ihrem 77-jährigen Großvater auf dem Pilgerweg nach Santiago di Compostela unterwegs und bloggt aus den Herbergen mit Internetanschluss wunderschöne Fotos und spannende Tagesberichte.  Ich finde das eine Projekt (Wanderung) wie das andere Projekt (Bloggen)  beeindruckend.

Alles Gute auf eurem Weg, ihr beiden!

Tabelle Weblogs im Unterricht / in der Schule

Den Inhalt dieser Tabelle erarbeiteten die Referendare anhand der Analyse von Beispielblogs.

Typ Funktionen/Vorteile Voraussetzung/Probleme
1. Lehrerblog mit Unterrichtsbezug Plattform f. Vorgegebenes / Informationen / Multimediasammlung/ Umfragen / Terminabsprachen; individueller Zugang zu individ. Aufgaben; als Einstieg in das Medium geeignet; spart Papier; gemeinsame Erinnerungen; zweite Schiene neben „norm.“ Unterricht PC und Drucker-Zugang permanent und nicht nur in einzelnen Stunden;z.T. unübersichtlich; pers. Sortierung muss erfolgen; SuS können nur kommentieren; L braucht viel Zeit
2. Kurs-/Fachblog Kommunikation / Austausch zu jeder Zeit – d.h. auch außerhalb des Unterrichts; das Ergebnis / Produkt hängt vom Einzelnen ab; kooperatives Arbeiten; Selbstreflexion – Fremdreflexion- Das Blog bezieht sich nur auf einen beschränkten Bereich (ein Kurs oder ein Fach)
– Ermöglicht eine gleichberechtigte Diskussion zu Themen des Fachs / Kurses
– Trotzdem hat der Lehrer noch die Möglichkeit der Inhaltskontrolle
– Die Schüler haben einen großen Partizipationsanteil am Blog
Internetzugang; Kompetenz d. Schülers und Kompetenz des Lehrers;  Interesse kann abebben, wenn L. nicht zu neuen Diskussionen anregt (es sei denn, Schüler übernehmen); Thema geeignet? Was heißt „Gleichberechtigung“?- Der Lehrer muss die Möglichkeiten des Weblogs kennen und anwenden können.
– Die Schüler müssen in der Lage sein eigenständig mit dem Weblog arbeiten zu können. Nicht nur zu Kommentieren, sondern auch eigenständig neue Artikel zu erstellen.
3. Klassenblog    
4. Schülerblog Austausch von Ideen u. Wissen; selbstständiges Arbeiten; persönliche Kontakte; Kommunikation; Individualisierung; Vorteile: hohe Motivation; Schaffung eines persönlichen Sinns Internetzugang; E-Mail; Infos an Eltern, Schulleitung; Probleme: Überforderung; rechtl. Probleme; komplizierte Hoster
5. Schülervertretungsblog    
6. Schulhomepage als Blog    

Für Typ 3, 5 und 6 bestand kein Interesse bei den Teilnehmern, da sie zu ihrer derzeitigen Praxis für diese Typen offenbar keinen Bezug herstellen konnten. Das, fanden wir, sei kein Problem, denn es komme nicht darauf an, die Systematik vollständig abzubilden, sondern v.a. darauf, dass jeder an seinen eigenen Fragen arbeiten kann.
Wer jetzt gerne noch die anderen Typen in die Tabelle eintragen möchte: Nur zu! Beispiele gibt es auf der Seite „Beispiele“, und „Forschungsergebnisse“, die in einem Kommentar mitgeteilt werden, übertrage ich gerne in die Tabelle.