Geschichte lernen durch Bloggen

Lehramststudenten lernen durch ein Blogprojekt, mit dem sie historische Mythen (neudeutsch: fake news) aufdecken:

geschichtsblog

(HI)STORIES ?! Legendenunterderlupe.wordpress.com

(Ich würde mir allerdings Hyperlinks in den Texten wünschen und unter der kategorie „Zum Weiterlesen“ nicht nur Empfehlungen auf Altholzmaterial, sondern selbstverständlich auch auf interessante – vllt auch kontroverse! – Materialien im Netz. Denn die sind sofort zugänglich. Die Hoffnung auf Bibliotheksbesuche der Kundschaft halte ich für extremes Wunschdenken. )

Politiklernen als öffentlicher Diskurs in einem Blog

Ganz neu ist das Blog War on Terror des Lehrers Christoph Roggon, das er nicht nur für seine Schüler des 4. Semesters am Gymnasium Blankenese aufgesetzt hat, sondern mit dem er auch für alle Lehrer, Schüler, Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen wollen, einen öffentlichen Lernraum zur Verfügung stellt.

schulblog1

Wie schon im Blog Migration-Integration steht auch hier ein großes Angebot an Quellenmaterial bereit. Darüberhinaus wird angeboten, selbst am öffentlichen Diskurs mit Kommentaren, und als Schüler_in – auch wenn nicht in Roggons Kurs – mit eigenen Artikeln teilzunehmen und beizutragen.
Das ist eine tolle Sache! Es öffnet den Klassenraum in die Welt und lädt gleichzeitig die Welt ein, mit den Schülern in Dialog zu treten. Gerade für das Politiklernen goldrichtig. Und ich wünsche dem Blog, dem öffentlichen Lernen und der „Kern-Lerngruppe“ ab Februar viel Vergnügen und Erfolg bei der Bearbeitung des Themas. Ich wünsche viele spannende Fragen, Perspektiven und Dialoge.

Schülerblogs in Beijing

In meinem PLN und mit Serendipity – wie das halt so ist beim Lernen im Netz – fand ich heute ein Klassenblog der 4. Klasse von Frau Amanda Klahn aus England:

WAB_4K_AmandaKlahnSeit August mit Beginn der 4. Klasse läuft das Lernen offenbar mit einem persönlichen Gerät (einem Macbook) für jede(n) Schüler_in.  Die Hausaufgaben werden wochenweise gestellt, und die Schüler_innen arbeiten viel selbstorganisiert. Und alle haben sie eigene WordPress-Blogs, in denen sie ihre Hausaufgaben posten. Sie sind in der Blogroll verlinkt. Alexandro hatte neulich 27 Kommentare zu einer Hausaufgabe:

WAB_Alejandro
Jetzt war ich doch neugierig, um welche Schule es sich handelt, und wo auf der Welt diese Schulblog-Geschichte überhaupt spielt. Ein bisschen googlen war nötig, um herauszufinden was WAB bedeutet. Hier ist es:

Die Western Academy of Beijing

Es werden noch Lehrkräfte und Führungskräfte eingestellt. Hier die Bewerbungsliste:

WAB_jobopportunities

Geschichtsunterricht mit Blogs

Johannes Gienger, Lehrer am Johannes-Kepler-Gymnasium in Weil der Stadt und Leiter des Stadtmedienzentrums Stuttgart hat ein Modell „Blogs statt Geschichtshefte“ für seinen Geschichtsunterricht entwickelt und jahrelang erprobt.

Geschichtsblog
http://geschichtsheftsmz.wordpress.com/

Im Lehrerblog – s. screenshot – wird den Schülern Material (Fotoquellen und Lehrertexte) zur Verfügung gestellt, die die Schüler in ihre eigenen Blogs übernehmen können, wo sie auch ihre eigenen Arbeiten posten. Im Lehrerblog werden auch gemeinsam erarbeitete Texte und Beispiele aus den Schülerarbeiten gepostet.
Man kann das Konzept für seinen Unterricht und natürlich auch für andere Fächer übernehmen und natürlich als Geschichtslehrer das Blog von Johannes Gienger direkt im Unterricht einsetzen. Es liefert Material zum Zeitraum ‚Absolutismus‘ bis ‚Deutsches Kaiserreich‘.

Ich finde das eine prima Idee!

Hier ein Interview mit dem Lehrer über die Unterrichtserfahrungen damit.
Am Ende des Interviews gibt es eine Liste mit ausgewählten Schülerblogs:

http://geschichte.philip.over-blog.de/

http://verenageschichte.over-blog.de/

http://lenizingg.over-blog.de/

http://mini2.over-blog.de/

http://doro-doro.over-blog.de/

http://tcmredam.oyla15.de

http://Benny.over-blog.de

Auch, wenn die SchülerInnen die Quellenfotos aus Wikimedia Commons – der frei lizensierten und public-domain-Bilddatenbank  –  in ihre Blogs einbinden dürfen, würde ich sie allerdings anhalten, die Quelle zu nennen. Nicht alle Bilder sind, wenn man sie außerhalb von wikimedia wiederveröffentlicht, übrigens vollkommen frei. Manchmal muss man  zumindest den Autor nennen – CC-BY – siehe http://commons.wikimedia.org/wiki/Commons:Reusing_content_outside_Wikimedia – Dies ist auch eine günstige Gelegenheit, mit den Schülern über Bildrechte, Urheberrecht und Creative Commons zu sprechen. Dann sind sie auch bei ihren privaten Blogs mit dem notwendigen Rüstzeug ausgestattet.

Inklusion? Jeder ist anders!

CC BY Mr. Kimberly

„Hello Stranger.“  So begrüßt der Vater seine neugeborene Tochter Zoe. In einem kurzen beeindruckenden Blogpost schreibt Mr. Kimberly über das Neugeborenen-Dasein:

They are unfamiliar with the world that parents live in. […] They are strange to themselves. […] They are learning machine, just newly turned on.

Lernen zu müssen, mit sich selbst und der Welt vertraut zu werden, das ist für jeden Menschen von Anfang an die vorgegebene Aufgabe. Und dabei muss jeder sich aus dem, was ihm widerfährt, seinen eigenen Sinn bilden, indem er auf seine je eigene individuelle Weise damit umgehen lernt.
Schule soll dabei helfen. Wie kann das gelingen, wenn jeder, wirklich jeder, anders ist?

In der Ära der Digitalität sind heute Medienformen entstanden, die es erleichtern, mit  anderen an einer Sache zu arbeiten und dabei dem eigenen persönlichen Sinn zu  folgen. Ein Weblog z.B. erlaubt einer Lerngruppe in ständigem Austausch über eine gemeinsam geteilte Sache zu sein, in der jedes Mitglied dieser Gruppe „sein eigenes Ding“ macht und damit gleichzeitig zu einem gemeinsamen Ergebnis beiträgt. Außerdem ermöglicht dieses Medium auch die Kommunikation der Gruppe mit der Welt.  Offen nach innen und offen nach außen.
Das sind gute Voraussetzungen für alle Strangers – also für uns alle – , sich (uns) selbst und die Welt immer besser zu verstehen. Und je besser wir verstehen, umso besser können unsere Leben gelingen. Mehr geht nicht.