Geschichte lernen durch Bloggen

Lehramststudenten lernen durch ein Blogprojekt, mit dem sie historische Mythen (neudeutsch: fake news) aufdecken:

geschichtsblog

(HI)STORIES ?! Legendenunterderlupe.wordpress.com

(Ich würde mir allerdings Hyperlinks in den Texten wünschen und unter der kategorie „Zum Weiterlesen“ nicht nur Empfehlungen auf Altholzmaterial, sondern selbstverständlich auch auf interessante – vllt auch kontroverse! – Materialien im Netz. Denn die sind sofort zugänglich. Die Hoffnung auf Bibliotheksbesuche der Kundschaft halte ich für extremes Wunschdenken. )

Politische Bildung: Schüler beobachten sich bei der Wahl

Gute Idee! Der Profilkurs des Gymansiums Lerchenfeld in Hamburg begleitet den Wahlkampf zur Bürgerschaftswahl, stellt zwei Wahlvorstände und beobachtet sich selbst bei ihrer ersten Teilnahme an einer Wahl … Und dieses Projekt wird selbstverständlich mit einem Projektblog dokumentiert:

Kursblog_Hamburgwahlhttps://buergerschaftswahl.wordpress.com/

Politiklernen als öffentlicher Diskurs in einem Blog

Ganz neu ist das Blog War on Terror des Lehrers Christoph Roggon, das er nicht nur für seine Schüler des 4. Semesters am Gymnasium Blankenese aufgesetzt hat, sondern mit dem er auch für alle Lehrer, Schüler, Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen wollen, einen öffentlichen Lernraum zur Verfügung stellt.

schulblog1

Wie schon im Blog Migration-Integration steht auch hier ein großes Angebot an Quellenmaterial bereit. Darüberhinaus wird angeboten, selbst am öffentlichen Diskurs mit Kommentaren, und als Schüler_in – auch wenn nicht in Roggons Kurs – mit eigenen Artikeln teilzunehmen und beizutragen.
Das ist eine tolle Sache! Es öffnet den Klassenraum in die Welt und lädt gleichzeitig die Welt ein, mit den Schülern in Dialog zu treten. Gerade für das Politiklernen goldrichtig. Und ich wünsche dem Blog, dem öffentlichen Lernen und der „Kern-Lerngruppe“ ab Februar viel Vergnügen und Erfolg bei der Bearbeitung des Themas. Ich wünsche viele spannende Fragen, Perspektiven und Dialoge.

Schülerblogs in Beijing

In meinem PLN und mit Serendipity – wie das halt so ist beim Lernen im Netz – fand ich heute ein Klassenblog der 4. Klasse von Frau Amanda Klahn aus England:

WAB_4K_AmandaKlahnSeit August mit Beginn der 4. Klasse läuft das Lernen offenbar mit einem persönlichen Gerät (einem Macbook) für jede(n) Schüler_in.  Die Hausaufgaben werden wochenweise gestellt, und die Schüler_innen arbeiten viel selbstorganisiert. Und alle haben sie eigene WordPress-Blogs, in denen sie ihre Hausaufgaben posten. Sie sind in der Blogroll verlinkt. Alexandro hatte neulich 27 Kommentare zu einer Hausaufgabe:

WAB_Alejandro
Jetzt war ich doch neugierig, um welche Schule es sich handelt, und wo auf der Welt diese Schulblog-Geschichte überhaupt spielt. Ein bisschen googlen war nötig, um herauszufinden was WAB bedeutet. Hier ist es:

Die Western Academy of Beijing

Es werden noch Lehrkräfte und Führungskräfte eingestellt. Hier die Bewerbungsliste:

WAB_jobopportunities

Geschichtsunterricht mit Blogs

Johannes Gienger, Lehrer am Johannes-Kepler-Gymnasium in Weil der Stadt und Leiter des Stadtmedienzentrums Stuttgart hat ein Modell „Blogs statt Geschichtshefte“ für seinen Geschichtsunterricht entwickelt und jahrelang erprobt.

Geschichtsblog
http://geschichtsheftsmz.wordpress.com/

Im Lehrerblog – s. screenshot – wird den Schülern Material (Fotoquellen und Lehrertexte) zur Verfügung gestellt, die die Schüler in ihre eigenen Blogs übernehmen können, wo sie auch ihre eigenen Arbeiten posten. Im Lehrerblog werden auch gemeinsam erarbeitete Texte und Beispiele aus den Schülerarbeiten gepostet.
Man kann das Konzept für seinen Unterricht und natürlich auch für andere Fächer übernehmen und natürlich als Geschichtslehrer das Blog von Johannes Gienger direkt im Unterricht einsetzen. Es liefert Material zum Zeitraum ‚Absolutismus‘ bis ‚Deutsches Kaiserreich‘.

Ich finde das eine prima Idee!

Hier ein Interview mit dem Lehrer über die Unterrichtserfahrungen damit.
Am Ende des Interviews gibt es eine Liste mit ausgewählten Schülerblogs:

http://geschichte.philip.over-blog.de/

http://verenageschichte.over-blog.de/

http://lenizingg.over-blog.de/

http://mini2.over-blog.de/

http://doro-doro.over-blog.de/

http://tcmredam.oyla15.de

http://Benny.over-blog.de

Auch, wenn die SchülerInnen die Quellenfotos aus Wikimedia Commons – der frei lizensierten und public-domain-Bilddatenbank  –  in ihre Blogs einbinden dürfen, würde ich sie allerdings anhalten, die Quelle zu nennen. Nicht alle Bilder sind, wenn man sie außerhalb von wikimedia wiederveröffentlicht, übrigens vollkommen frei. Manchmal muss man  zumindest den Autor nennen – CC-BY – siehe http://commons.wikimedia.org/wiki/Commons:Reusing_content_outside_Wikimedia – Dies ist auch eine günstige Gelegenheit, mit den Schülern über Bildrechte, Urheberrecht und Creative Commons zu sprechen. Dann sind sie auch bei ihren privaten Blogs mit dem notwendigen Rüstzeug ausgestattet.

Inklusion? Jeder ist anders!

CC BY Mr. Kimberly

„Hello Stranger.“  So begrüßt der Vater seine neugeborene Tochter Zoe. In einem kurzen beeindruckenden Blogpost schreibt Mr. Kimberly über das Neugeborenen-Dasein:

They are unfamiliar with the world that parents live in. […] They are strange to themselves. […] They are learning machine, just newly turned on.

Lernen zu müssen, mit sich selbst und der Welt vertraut zu werden, das ist für jeden Menschen von Anfang an die vorgegebene Aufgabe. Und dabei muss jeder sich aus dem, was ihm widerfährt, seinen eigenen Sinn bilden, indem er auf seine je eigene individuelle Weise damit umgehen lernt.
Schule soll dabei helfen. Wie kann das gelingen, wenn jeder, wirklich jeder, anders ist?

In der Ära der Digitalität sind heute Medienformen entstanden, die es erleichtern, mit  anderen an einer Sache zu arbeiten und dabei dem eigenen persönlichen Sinn zu  folgen. Ein Weblog z.B. erlaubt einer Lerngruppe in ständigem Austausch über eine gemeinsam geteilte Sache zu sein, in der jedes Mitglied dieser Gruppe „sein eigenes Ding“ macht und damit gleichzeitig zu einem gemeinsamen Ergebnis beiträgt. Außerdem ermöglicht dieses Medium auch die Kommunikation der Gruppe mit der Welt.  Offen nach innen und offen nach außen.
Das sind gute Voraussetzungen für alle Strangers – also für uns alle – , sich (uns) selbst und die Welt immer besser zu verstehen. Und je besser wir verstehen, umso besser können unsere Leben gelingen. Mehr geht nicht.

Veg’s „neverseconds“ – Blogs sind Partizipationsmedien

Dass Blogs auch in der Schule sehr viel mehr sein können als nur nette tools, um den Unterricht besser „umzusetzen“,  sieht man an diesem Blog der 9-jährigen schottischen Schülerin Martha Payne mit dem Nick-Namen „Veg“. Der Name des Blogs „neversoconds“ bezieht sich auf die Praxis, dass beim Essen in der Schulkantine niemals ein Nachschlag gewährt wird.

„Veg“ fand ihr Schulessen schlecht, nicht sättigend und ungesund. Sie kam auf die Idee,  es jeden Tag zu fotografieren und  das jeweilige Bild ihres gefüllten Tellers in ihrem Blog ins Netz zu stellen …

Und das wurde daraus:
Innerhalb weniger Monate verbreitete sich das Blog in der ganzen Welt unter SchülerInnen, die mit ihrem Schulkantinenessen unzufrieden waren. Die Printmedien schrieben darüber, und Jamie Oliver, der beliebte englische Kochpädagoge (meine Bezeichnung), lud Veg zum öffentlichen Kochen ein. Und natürlich musste die Schule vor Ort reagieren – das Essen soll besser geworden sein, und es gibt inzwischen Nachschlag.
Veg sammelt außerdem Spendengelder in großer Zahl zur Unterstützung von Mary’s Meal, ihrem Projekt für Schulspeisung in Ländern mit Hungerproblemen.

(Projekt-)Lernen 2.0 at it’s best!
Was ich neben der beeindruckenden Tätigkeit der Schülerin außerdem bemerkenswert finde: Dieses Ereignis zeigt, wie mithilfe der social media aus dem Bedürfnis, sich um die Verbesserung der eigenen Situation zu kümmern, auch für andere ein großer Gewinn an Lebensqualität entstehen kann. Was aus Marys Blog wurde, ist nicht nur von ihr abhängig, sondern ganz eindeutig auch von den Reaktionen auf ihr Blog: Die Eltern unterstützen sie, sie bekommt positives Feedback von Peers und Erwachsenen vor Ort, sie muss nachdenken über den Hinweis, dass sie froh sein könnte, dass sie überhaupt etwas zu essen hat, anderswo wäre das nicht gesichert, usw. Sie lernt und wächst an ihrem eigenen Projekt, das sich in ein wachsendes Netz an „Mitlernern“ verwandelt.

Auch bei uns ist das Blog „neverseconds“ von Martha alias Veg inzwischen bekannt. Hier ein Artikel aus der Zeit.

Blogerfahrung

Besonders gut eignet sich ein Gruppenblog zur Projektarbeit. Hier ganz frisch das Projektblog des Emilie-Wüstenfeld-Gymnasiums in Hamburg: 26 SchülerInnen bloggen über ihre Arbeit mit ihren Eindrücken und dem gesammelten Material, die sie bei einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Neuengamme gewonnen haben.
Die SuS sind alle als Administratoren (!) in ein von mir vorbereitetes Blog eingepflegt worden, haben gleich das vorgeschlagene Headerbild ausgetauscht und angefangen in ihren Tandems und Arbeitsgruppen zu bloggen. Jede Arbeitsgruppe bloggt mit und unter einer „Kategorie“, die identisch mit ihrem selbstgewählten Thema ist.

http://ewgprojektblog.wordpress.com

Fazit: Nichts erzeugt so viel Engagement, wie die Möglichkeit, mit neuen Medien den eigenen Fragen nachgehen zu dürfen und dabei von der „echten“ Welt außerhalb der Schule wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden:
Am Abend des ersten Tages Blogbetrieb waren schon 240 260 302 Besucher da, und es hat sogar zwei Kommentare aus der „echten“ Welt gegeben. (Twitter is it!)